Jeder hat mal angefangen: Wie Dir das Standesamt bei Deiner Ahnenforschung weiterhelfen kann?

Teil 3 der Blogserie: Jeder hat mal angefangen

Nachdem ich dir im 2. Teil dieser Serie gezeigt habe, nach welchen Dokumenten du in deiner Familie suchen solltest, möchte ich dir heute zeigen wie du weiterkommst, wenn diese Quellen erschöpft sind.

Solltest du den letzten Teil der Serie noch nicht gelesen haben kannst du dies hier nachholen:

Jeder hat mal angefangen: Deine ersten historischen Familiendokumente

Was du beim Standesamt finden kannst

Die Unterlagen, die du bei Verwandten finden kannst, sind zwar oft sehr aufschlussreich und interessant, jedoch gibt es hier zwei Probleme, die dich in deiner weiteren Forschung behindern:

  1. Die Dokumente sind meist nicht älter als 100 Jahre
  1. Die enthaltenen Informationen sind oftmals mit einer größeren Unsicherheit behaftet

Ich denke, der erste Punkt versteht sich von selbst. Durch die Wirren der Zeit und vor allem durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg sind viele Unterlagen verschollen oder wurden entsorgt. Dokumente aus der Zeit vor 1915 zu finden ist schon ein echter Glücksfall.

Der zweite Punkt ist jedoch ein wenig erklärungsbedürftig.

Sind die Daten in den Familiendokumenten richtig?

Unterschiedliche historische Quellen weisen einen unterschiedlichen Grad an Glaubwürdigkeit auf. So ist zum Beispiel eine Geburtsurkunde oder ein Personalausweis ein offizielles staatliches Dokument und daher sehr glaubwürdig.

Bei einem Geburtsdatum, welches beispielsweise auf die Rückseite eines Portraitfotos geschrieben wurde, ist eher unsicher, ob das entsprechende Datum auch wirklich stimmt.

Du solltest aber auch immer im Hinterkopf behalten: Auch offizielle Dokumente können fehlerhaft sein!

Es ist daher immer besser, die vermeintlich richtige Information durch mindestens eine zweite Quelle zu bestätigen.

Wie kannst du nun die beiden genannten Probleme, die Familiendokumente aufweisen, lösen, umso in der Geschichte deiner Ahnen weiter zu kommen?

Dabei hilft dir das Standesamt! Dazu solltest du dir die Frage stellen…

Diese Dokumente kannst Du beim Standesamt finden

In den Standesämtern der jeweiligen Orte und Gemeinden werden sogenannte Personenstandsregister von einem Standesbeamten geführt.

Diese Personenstandsregister wurden per Gesetz am 01.01.1876 im gesamten Deutschen Reich eingeführt.

Sie enthalten Einträge zur Geburt, Heirat und Tod einzelner Personen und bilden die Grundlage für ausgestellte Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden.

Somit gehören die Personenstandsregister zu den wichtigsten Quellen für Ahnenforscher!

Für diesen Zeitraum findest Du im Standesamt Dokumente

Die offensichtlichste Grenze ist natürlich das Einführungsdatum der Personenstandsregister (01.01.1876). Wenn du also Vorfahren hast, die vor diesem Datum geboren wurden, geheiratet haben oder gestorben sind wirst du in diesen Registern leider nichts finden.

Es gab aber auch in einzelnen deutschen Regionen sogenannte Zivilstandsregister, die schon vor 1876 von staatlichen Stellen geführt wurden. Welche dies sind kannst du hier nachlesen.

Da die Personenstandsregister sehr persönliche Daten enthalten gibt es hier einen Konflikt zwischen den Interessen der Ahnenforscher und dem Datenschutz.

Im Personenstandsgesetz ist festgelegt, welche Dokumente für Forscher frei zugänglich sind.

Es gibt gewisse Schutzfristen und erst nach deren Ablauf sind die Unterlagen für Jeden einsehbar.

Für die Personenstandsregister gelten folgende Fristen:

  1. Geburtsregister 110 Jahre
  2. Heiratsregister 80 Jahre
  3. Sterberegister 30 Jahre

Dies bedeutet also, dass du ohne Probleme Einsicht in einen Geburtseintrag erhältst, wenn der Tag der Geburt mehr als 110 Jahre zurückliegt.

5 einfache Schritte, die Du bei Deiner Suche in Personenstandesregistern befolgen solltest

Nachdem du nun viel Theoretisches gehört hast, möchte ich dir in 5 einfachen Schritten zeigen, wie du bei deiner Suche in Personenstandsregistern vorgehst:

1. Ausgangspunkt schaffen

Als erstes benötigst du einen Ausgangspunkt für deine Suche. Dies kann zum Beispiel die mündliche Aussage deiner Großmutter sein, dass ihre Eltern am 01.01.1903 in Musterdorf geheiratet haben.

2. Prüfen, ob sich eine Recherche in den Personenstandsregistern lohnt

Wie du jetzt schon weißt, gibt es bei den Standesamtsregistern gewisse Beschränkungen für die Einsicht. Daher solltest du vorab prüfen, ob eine Recherche überhaupt Aussicht auf Erfolg hat.

In unserem Beispiel ist das kein Problem, da die Hochzeit nach dem 01.01.1876 stattfand und schon mehr als 80 Jahre her ist.

3. Standort der entsprechenden Unterlagen ausfindig machen

Bei diesem Schritt kommt es darauf an, den richtigen Standort der Register ausfindig zu machen. Es kann entweder sein, dass die Registerbücher noch in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung liegen oder bereits an ein größeres Zentralarchiv abgegeben wurden.

Dies findest du am einfachsten heraus, indem du einfach bei der entsprechenden Gemeindeverwaltung anrufst.

4. Einsicht oder Bestellung

Als nächstes möchtest du natürlich den Heiratseintrag deiner Urgroßeltern finden. Wenn der Standort der Registerbücher in deiner Nähe ist, solltest du persönlich hinfahren. Sollte es weiter weg liegen kannst du auch eine Kopie der Unterlagen bei der Gemeindeverwaltung oder dem entsprechenden Archiv bestellen.

Ganz wichtig ist bei der Bestellung bei einer Gemeindeverwaltung, dass du nach einer Kopie aus dem Register verlangst und nicht nach einer Urkunde, da Urkunden zwar anhand der Informationen aus den Registern erstellt werden, aber meist weniger Informationen enthalten.

Vor allem wichtige Randvermerke werden so nicht wiedergegeben. Du musst auch bedenken, dass eine Bestellung natürlich auch Kosten auslöst. Diese variieren von Gemeinde zu Gemeinde und von Bundesland zu Bundesland.

5. Neue Informationen für weitere Recherchen nutzen

Wenn du den Heiratsregisterauszug der Urgroßeltern erhalten hast, kannst du aus diesem meist entnehmen wann und wo die Eheleute geboren sind.

Mit diesen Informationen hast du wiederum einen neuen Ausgangspunkt und kannst wieder bei Punkt 1 starten, um neue Registerauszüge zu bestellen. Oft gibt es auch Randvermerke zu den Sterbedaten der Eheleute oder den Geburtsdaten der Kinder. Auch diese Informationen kannst du wiederum als Ausgangspunkt nutzen.

Weiterhin sind in den meisten Fällen auch die Eltern der Eheleute angegeben und wenn du Glück hast sind auch Lebensdaten zu diesen vermerkt, sodass du einen weiteren neuen Ausgangspunkt hast

Wie du siehst kann dir ein einziger Registerauszug eine Vielzahl neuer Anhaltspunkte für deine weitere Forschung liefern!

Online-Quellen für Personenstandsregister

Nicht in jedem Fall liegen die Personenstandsregister nur in den Gemeinden oder den zentralen Archiven. Eine Vielzahl der Dokumente wurden schon digitalisiert und sind bequem von zu Hause aus zugänglich.

Die zwei größten Organisationen, welche Standesamtsunterlagen digitalisiert und online zur Verfügung gestellt haben sind Family Search und Ancestry.

Zwar ist bei Ancestry die Einsicht in die Unterlagen mit Kosten verbunden, aber wenn mehrere Dokumente bestellen wiillst, kann dies die günstigere Alternative sein.

Außerdem kannst du bei Ancestry vorab kostenlos nach den Unterlagen recherchieren und erst wenn du etwas gefunden hast und Einsicht nehmen möchtest einen Zugang kaufen.

Fazit

Jetzt bist du in der Lage, über die Dokumente deine Familie hinaus zu gehen und dir erste archivalische Quellen zu erschließen!

Ich würde mich freuen, wenn du mir in den Kommentaren von deinen Erfolgen mit Standesamtsunterlagen berichtest.

Da du jetzt weißt, dass Personenstandregister erst flächendeckend 1876 in Deutschland eingeführt wurden, fragst du dich bestimmt wie es vor 1876 mit deiner Forschung weitergeht!

Welche Quellen es dafür gibt, verrate ich dir im nächsten Blogartikel dieser Serie.

Tim ist Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmensberater und Blogger. Er lebt in Dresden und erforscht nun schon seit 10 Jahren die Geschichte seiner Familie. Als Autor auf archivbegleiter.de hilft er dir bei deiner Ahnenforschung.

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