Jeder hat mal angefangen: Deine ersten historischen Familiendokumente

Teil 2 der Blogserie: Jeder hat mal angefangen

Im ersten Teil dieser Serie habe ich dir gezeigt, wie du am besten mit deiner eigenen Ahnenforschung startest, woher du erste Informationen bekommst und wie du diese ordnest und auswertest.

Hier noch einmal zum Nachlesen

Jeder hat mal angefangen: So startest Du erfolgreich die Suche nach Deinen Ahnen

Nachdem du vielleicht schon deine ersten Interviews mit Verwandten geführt hast, soll es diesmal darum gehen, wie du mit Hilfe alter Dokumente mehr über deine Vorfahren herausfinden kannst.

Dazu stellen wir uns zuerst einmal die Frage…

… Welche Dokumente sind überhaupt spannend?

Als erstes fallen dir bestimmt Unterlagen ein wie Geburts-, Heirats,- und Sterbeurkunden.

Diese sind sehr wichtig für Familienforscher, da sie eine sehr hohe Glaubwürdigkeit aufweisen.

Es gibt aber noch eine Vielzahl weiterer Schriftstücke, vor allem wenn es darum geht nicht nur die reinen Lebensdaten einer Person in Erfahrung zu bringen, sondern auch mehr über Ihr Leben herauszufinden.

Als Anregung möchte ich hier exemplarisch einige nennen:

  • Führerschein
  • Schulzeugnisse
  • Personalausweis
  • Wehrpass
  • Arbeitsbuch
  • Briefe
  • Verträge
  • Todesanzeigen

Die Sache mit der Schrift

Zugegeben, das Lesen der deutschen Schreibschrift ist wohl, gerade zu Beginn, eine der schwierigsten Hürden in der Ahnenforschung. Kaum jemand kann heutzutage noch Omas alte Liebesbriefe und Backrezepte lesen.

Das liegt daran, dass vor allem vor 1945 in den Schulen noch die sogenannte Deutsche Schrift gelehrt wurde.

Die Deutschen waren Jahrhunderte lang zweischriftig. Es wurde also in deutscher und lateinischer Schrift geschrieben und gelesen. Im Jahr 1941 jedoch ließ Adolf Hitler die deutsche Schrift verbieten.

So kommt es zu dem Umstand, dass wir Deutschen, im Gegensatz zu den meisten anderen Europäern, die Dokumente unserer Geschichte nicht mehr im Original lesen können.

Solltest du ein ernsthaftes Interesse an der Ahnenforschung haben, kommst du leider nicht umhin diese Schrift auch zu lernen.

Aus meiner eigenen Erfahrung möchte ich dir den Tipp geben, nicht nur das Lesen der deutschen Schrift zu üben, sondern auch das Schreiben zu erlernen.

Dies hat den Vorteil, dass du so viel besser nachvollziehen kannst wie die Linien der Buchstaben geführt werden und wie die Buchstaben untereinander verbunden sind. So wird dir das Lesen viel leichter fallen.

Geholfen hat mir beim Erlernen vor allem das Lehrbuch von Harald Süß: Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen. (*)
(*)

Wenn du lieber einen Kurs besuchen möchtest, kann ich dir die Sütterlinstube von Franz Neugebauer empfehlen.

Falls du die Schrift selbst nicht erlernen möchtest, helfe ich dir gern beim Transkribieren deiner Dokumente.

Und was ist mit Bildern?

Fotografien sind eine besonders interessante Quelle für dich als Ahnenforscher. Mit Hilfe von Bildern kannst du deinen Ahnen nicht nur ein Gesicht geben, sondern auch viele neue Erkenntnisse über ihr Leben erhalten.

So kannst du zum Beispiel Rückschlüsse ziehen zu welcher sozialen Schicht deine Vorfahren gehört haben anhand von:

  • Wohnungseinrichtung
  • Häusern
  • Kleidung
  • Schmuck

Sehr wichtig ist es auch, sich immer die Rückseite der Bilder anzusehen. Hier sind oftmals Widmungen, der Ort der Aufnahme und das Datum oder Jahr der Aufnahme vermerkt.

Eine besonders gute Quelle um mehr über deine Verwandten zu erfahren, sind Bilder von Menschen die eine (Militär-)Uniform tragen. Hier kannst du Informationen über den Träger sammeln wie zum Beispiel:

  • Dienstgrad
  • Waffengattung
  • Verliehene Orden und Ehrenzeichen
  • Datierung der Fotografie
  • Teilstreitkraft

Um dir die Vorgehensweise und das Potenzial, welches in Bildern steckt, besser zu verdeutlichen, habe ich für dich folgendes Beispiel angeführt:

Auf dem Bild sind eine Frau und ein Mann in Militäruniform zu sehen.

Interessant wäre es jetzt zu wissen, wann das Foto ungefähr aufgenommen wurde und welche Informationen uns die Uniform verrät.

Da über der rechten Brusttasche ein Reichsadler zu sehen ist, liegt die Vermutung nahe, dass das Bild aus der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) stammt.

Eine kurze Recherche auf der Seite Lexikon der Wehrmacht verrät uns, dass es sich um eine Heeresuniform der Wehrmacht handelt.

Des Weiteren lässt sich aus den zwei Winkeln am linken Oberarm ablesen, dass der Dienstgrad des Mannes Obergefreiter war.

Weiterhin sehen wir ein Band am zweiten Knopfloch von oben. Hierbei handelt es sich um die Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/42“. Diese wurde am 26.05.1942 gestiftet.

Über den Uniformträger wissen wir nun also folgendes:

  • Er diente im Heer der Wehrmacht
  • Er war Obergefreiter
  • Ihm wurde die Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/42“ verliehen.

Daraus können wir ableiten, dass das Foto sehr wahrscheinlich zwischen dem 26.05.1942 (Stiftungstag der Medaille) und dem 08.05.1945 (Ende des 2. Weltkrieges) gemacht wurde.

Dokumente richtig auswerten

Damit du sämtliche Informationen, die in deinen Familiendokumenten stecken, erfasst und du nicht den Überblick verlierst, solltest du diese 4 einfachen Schritte befolgen:

1. Digitalisieren

Damit deine wertvollen Dokumente und Bilder keinen weiteren Schaden nehmen und auch für künftige Generationen erhalten bleiben, solltest du diese digitalisieren. Außerdem hast du so immer Zugriff auf deine Unterlagen. Falls du keinen eigenen Scanner besitzt, kannst du auch in professionellen Copyshops oder in vielen Bibliotheken Digitalisate anfertigen.

2. Signatur vergeben

Im ersten Teil dieser Serie hast du gelernt, dass du deine Interviews mit einer Signatur versehen solltest. Das gleiche machst du auch mit deinen Dokumenten. Vergib für jedes Dokument eine einmalige Signatur und trage diese in deine Quellenliste ein.

3. Transkription

Wenn deine Dokumente in deutscher Schreibschrift verfasst oder schwer zu lesen sind, solltest du sie unbedingt abschreiben, sodass sie für jeden einfach zu lesen ist. So kannst du immer wieder schnell auf die Informationen zugreifen ohne dich in die jeweilige Handschrift einlesen zu müssen. Außerdem machst du so deine Quelle anderen Familienangehörigen leicht zugänglich.

4. Informationen in Personenstammblätter eintragen

Bestimmt hast du schon deine ersten Personenstammblätter angelegt. Falls nicht kannst du dies hier nochmal nachlesen. Die einzelnen Informationen aus deinen Dokumenten, zum Beispiel Geburtsdaten und -orte kannst du jetzt in deine Personenstammblätter eintragen. Damit du auch später noch nachvollziehen kannst wo die Informationen in deinen Personenstammblättern herstammen solltest auf diesen auch die Signatur deiner Quelle vermerken.

Fazit

Wenn du die ersten Dokumente deiner Familie aufspüren konntest und diese ausgewertet hast, bist du schon auf dem besten Weg dein neues Hobby richtig anzugehen.
Nur durch eine nachvollziehbare Arbeitsweise, kann man auch gute Ergebnisse erzielen, um so Licht in das Dunkel der eigenen Familiengeschichte zu bringen.
In diesem Artikel hast du gelernt, wie du Dokumente, die in deiner Familie noch vorhanden sind, richtig auswertest.
Beim nächsten Mal möchte ich mit dir noch tiefer einsteigen und dir zeigen, wie dir Standesämter helfen deine Vorfahren ausfindig zu machen.
Falls du mit deinen Familiendokumenten noch Probleme hast oder dir noch Fragen zu diesem Thema unter den Nägeln brennen, schreib es mir doch unten in die Kommentare.

 

Hinweis: (*) Dies ist ein Affiliate-Link zu Amazon.de. Wenn du damit bestellst habe ich auch etwas davon. Das Produkt wird für dich dadurch aber nicht teurer.

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Tim ist Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmensberater und Blogger. Er lebt in Dresden und erforscht nun schon seit 10 Jahren die Geschichte seiner Familie. Als Autor auf archivbegleiter.de hilft er dir bei deiner Ahnenforschung.

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