Jeder hat mal angefangen: Dein erstes Kirchenbuch

Teil 4 der Blogserie: Jeder hat mal angefangen

Im letzten Teil meiner Serie für angehende Ahnenforscher habe ich dir gezeigt wie du standesamtliche Unterlagen am besten für deine Forschungen nutzt und wie du dabei vorgehen solltest.

Falls du diesen 3. Teil noch nicht gelesen hast, habe ich dir hier nochmal den Link eingefügt:

Jeder hat mal angefangen: Wie Dir das Standesamt bei Deiner Ahnenforschung weiterhelfen kann?

Im letzten Teil haben wir aber auch festgestellt, dass die Register der Standesämter nicht weiter als bis 1876 zurückreichen.

Wie du diese Hürde mit Hilfe von Kirchenbüchern überwinden kannst, möchte ich dir heute zeigen.

Dazu müssen wir als erstes klären…

Was sind eigentlich Kirchenbücher?

Kirchenbücher sind Aufzeichnungen, die ein Pfarrer beziehungsweise die Kirchengemeinde führt.

Darin werden die wichtigsten kirchlichen Ereignisse im Leben eines Menschen festgehalten. Es gibt also Register für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Oftmals gibt es zudem noch Kommunions- oder Konfirmationsregister.

Für welchen Zeitraum gibt es Kirchenbücher?

Für Kirchenbücher gibt es leider kein so eindeutiges Einführungsdatum, wie das bei den Standesämtern der Fall ist.

Zudem muss zwischen evangelischen und katholischen Registern unterschieden werden.

Die evangelischen Kirchenbücher wurden teilweise im 16. Jahrhundert nach der Reformation durch die landesherrlichen Kirchenordnungen eingeführt. Oftmals aber auch erst nach Beendigung des 30-jährigen Krieges. Hier kann es also zu erheblichen regionalen Unterschieden kommen.

In der Katholischen Kirche wurden entsprechende Register durch das Konzil von Trient 1563 eingeführt. Hier wurden jedoch zuerst nur Taufen und Hochzeiten vermerkt. Eine Vorschrift zur Führung von Sterbebüchern wurde erst 1614 erlassen.

Trotz der mehr oder weniger einheitlichen Regelungen für die Einführung der Kirchenbücher gibt es hier also erhebliche Unterschiede.

So stammen die frühesten evangelischen Aufzeichnungen, wie schon genannt, aus der Zeit kurz nach der Reformation und einige wurde erst um 1800 begonnen.

Erschwerend für den Ahnenforscher kommt hinzu, dass durch die Wirren der Zeit und vor allem durch zahlreiche Kriege, viele Kirchenbücher unwiederbringlich vernichtet wurden.

Bei deinen Vorrecherchen ist es also wichtig herauszufinden, für welchen Zeitraum die Kirchenbücher aus deiner gesuchten Gemeinde noch vorhanden sind.

Da mit der Einführung der Standesämter 1876 die Kirchenbücher trotzdem weitergeführt wurden, kann es sich lohnen, für die Zeit nach 1876 sowohl in den Aufzeichnungen der Standesämter als auch der Kirchen zu schauen, da die Inhalte der Quellen meist nicht zu 100% deckungsgleich sind.

Somit hast du die Möglichkeit weitere Informationen über eine Person zu erhalten!

Wie ist ein Kirchenbuch aufgebaut?

Vor allem in kleinen dörflichen Gemeinden mit wenigen Einwohnern befinden sich die Register für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen meist in einem Buch.

Die meisten dieser Kirchenbücher sind so aufgebaut, dass auf einem Deckblatt die entsprechende Kirchengemeinde und der Zeitraum, den das betreffende Kirchenbuch abdeckt, vermerkt ist. Dann folgen chronologisch geordnet alle Taueinträge, gefolgt von den Hochzeiten und am Schluss die Beerdigungen.

In größeren Gemeinden und Städten kann es auch vorkommen, dass für die einzelnen Register eigene Bücher geführt wurden.

Seit Beginn bis Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Informationen zu den einzelnen Personen häufig in tabellarischer Form festgehalten. Dies vereinfacht natürlich sehr stark das Auffinden von Personen und das Lesen der Einträge.

In der Zeit davor sind es eher kurze Absätze die die Pfarrer über die Ereignisse geschrieben haben.

Wo findest du Kirchenbücher?

Wo du die Kirchenbücher, die du für deine Ahnenforschung benötigst, findest ist sehr unterschiedlich. Hier kommt es vor allem wieder auf die entsprechende Region,  das Bundesland und  die Konfession an.

In einigen Fällen liegen die Kirchenbücher noch vor Ort bei den Pfarrämtern der jeweiligen Gemeinden. Teilweise wurden sie aber auch zentralisiert und werden in kirchlichen Archiven aufbewahrt.

Die meisten der evangelischen Landeskirchen haben sich für die Digitalisierung und online Bereitstellung ihrer Kirchenbücher zusammengeschlossen und betreiben gemeinsam das Portal Archion.

Hier hast du, gegen eine Gebühr, Zugriff auf viele deutsche evangelische Kirchenbücher. Auch Register aus den ehemaligen deutschen Gebieten wie Ostpreußen oder Schlesien sind hier schon online abrufbar.

Die Digitalisierung und Bereitstellung sind noch nicht abgeschlossen und es lohnt es sich immer mal wieder bei Archion vorbei zu schauen.

Jedoch sind leider nicht alle Landeskirchen bei Archion vertreten. So findest du bei Archion keine Kirchenbücher der Landeskirchen Sachen, Mitteldeutschland, Oldenburg-Ostfriesland, Bremen und Schaumburg-Lippe.

Zahlreiche Katholische Kirchenbücher kannst du auf dem Portal Matricula abrufen. Dieses ist im Gegensatz zu Archion kostenlos.

Zudem lohnt sich ein Blick auf die Portale von Ancestry und Familysearch.

Fazit

Du hast jetzt einen ersten Einblick wie dir Kirchenbücher bei deinen genealogischen Forschungen weiterhelfen können.

Solltest du noch Probleme, zum Beispiel beim Auffinden von Kirchenbüchern, oder noch weitere Fragen haben, schreib mir dies doch in die Kommentare.

Mit den Standesamtsregistern und den Kirchenbüchern haben wir bis jetzt die zwei größten und wichtigsten Quellenbereiche für Genealogen besprochen.

Darüber hinaus gibt es aber noch eine Vielzahl von weiteren Quellen, die dir mehr über deine Vorfahren verraten können.

Welche dies sind und wie du sie für dich nutzen kannst, verrate ich dir im fünften und letzten Teil dieser Serie.

Tim ist Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmensberater und Blogger. Er lebt in Dresden und erforscht nun schon seit 10 Jahren die Geschichte seiner Familie. Als Autor auf archivbegleiter.de hilft er dir bei deiner Ahnenforschung.

2 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Hallo Tim, Danke für den Artikel! Ich forsche seit etwa zwei Jahren vor allem in Kirchenbüchern. Die Gemeinde, aus der meine Familie stammt, ist dankenswerterweise sehr zugänglich. Habe jedoch von Gemeinden gehört, bei denen dies nicht so ist. Weißt Du, ob es Grundlagen gibt, die den Zugang regeln? Und wie ist es mit Kopien oder Fotos?

    • Hallo Heiko, erstmal vielen Dank für dein positives Feedback!
      Wenn die Kirchenbücher einer Gemeinde nicht zentral in einem Archiv liegen und diese noch in der jeweiligen Gemeinde aufbewahrt werden, bist du in der Regel von der „Gunst“ des Pfarrers abhängig. In den meisten Fällen entscheidet er über den Zugang, der bei ihm gelagerten Kirchenbücher. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Einsicht in die Kirchenbücher, direkt beim Pfarrer, meistens kein Problem ist. Das Kopieren oder Abfotografieren ist jedoch meistens unerwünscht. Hier hilft leider nur Abschreiben. Sollten die Kirchenbücher jedoch zentral in einem kirchlichen Archiv gelagert werden, ist das Anfertigen von Kopien in der Regel kein Problem.
      Ich hoffe ich konnte auf deine Frage angemessen antworten 🙂
      Bei weiteren Fragen kannst du mir gern hier schreiben oder du wirst Mitglied in unserer Facebook Gruppe „Erste Hilfe Ahnenforschung“. https://www.facebook.com/groups/ErsteHilfeAhnenforschung/
      Beste Grüße
      Tim

      von Tim Witkowski am Juni 17, 2017

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